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StartFreiRaumVideos & KolumnenKolumne – LAG Arbeit Bildung Kultur

Kolumne – LAG Arbeit Bildung Kultur

Ich betrete den Containerraum – schmucklos, fast trostlos, wie man ihn aus vielen Geflüchteten-Unterkünften kennt. Doch dann fangen meine Augen die bunten Banner ein, die Wände voller Kinderzeichnungen, und auf einem Banner stehen in großen Buchstaben zwei Worte, die in dieser Welt viel zu selten sichtbar sind: KINDERRECHTE. GLEICHHEIT. Ich spüre sofort, dass hier etwas Besonderes passiert. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche zwischen zehn und siebzehn Jahren, nicht um Mathe zu pauken oder Vokabeln zu lernen, sondern um zu spielen, zu improvisieren, Demokratie zu erleben.

Unter der Leitung von Marisol Bork und Kevin Brennemann sehe ich, wie sie ausprobieren, scheitern, lachen, sich gegenseitig zuhören. Demokratie wird hier nicht erklärt, sie wird erfahrbar. In den Reaktions- und Gruppenspielen beobachte ich genau, wie die Kinder miteinander in Kontakt treten: Wer zuhört, wer die Initiative übernimmt, wie Kompromisse entstehen. Niemand fragt nach Herkunft oder Traumata. Alles dreht sich darum, was sie sagen wollen, und wie sie es sagen können. Besonders beim Scenepainting merke ich, wie eine Idee nach der anderen in die Szene fließt: Figuren werden gebracht, kleine Gegenstände eingesetzt, Stimmen erhoben. Stück für Stück wächst daraus ein Bild, eine Geschichte, die nur gemeinsam entsteht. Ich staune, wie selbstverständlich Kreativität, Kollaboration und Partizipation hier nebeneinander passieren. Zu oft werden Kinder mit Fluchterfahrung nur als „die Flüchtlinge“ gesehen. Doch hier erfahre ich, dass sie weit mehr sind: Persönlichkeiten, voller Energie, voller Ideen, voller Wünsche. Sie spüren, dass ihre Stimme zählt, dass sie etwas bewegen können; und ich spüre ein kleines Staunen darüber, wie viel Macht ein Raum voller Vertrauen und Freiheit haben kann.

Die Gruppe ist nie komplett stabil. Neue Kinder kommen, andere erhalten Transfers in andere Unterkünfte. Abschiede sind schwer, auch für die Kinder, und doch finden sie immer wieder zueinander. Was am Anfang unsicher oder ängstlich wirkt, wandelt sich schnell: Sie werden mutiger, selbstbewusster, lebendig.

Ein Jugendlicher erzählt im Interview: „Kevin und Marisol machen hier sehr schöne Sachen. Es ist so schön zu spielen, zum Beispiel Zipp und Zapp.“ Improtheater wird so zu einem Sinnbild für Demokratie: Entscheidungen entstehen gemeinsam, Regeln sind verhandelbar, jede*r darf Ideen einbringen. Ich beobachte, wie Kinder lernen zuzuhören, innezuhalten, zu überlegen, was die anderen meinen. Sie merken, dass ihre Stimme Gewicht hat und, dass sie zusammen mehr erreichen können als allein.

Am Ende zeigt sich, dass dieses Projekt weit über Improtheater hinausgeht: Kinderrechte, Partizipation und Kreativität bekommen hier einen Raum, und wir Erwachsenen merken, wie dringend wir ihn brauchen. Kinder, die so oft stumm gemacht werden, erfahren hier, wie laut und stark ihre Stimme sein kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass wir in einer großen Welt mit vielen Menschen leben und dass das größte Hindernis oft die fehlende Kommunikation ist. Genau hier setzt das Projekt an: Es eröffnet Räume, in denen Kinder lernen, mit sich selbst und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Eine Kolumne von Sarah Nölke

Hinter den Kulissen

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