Kolumne – LAG Musik
Am 13. September 2025 besuchten wir, die Jugendredaktion Inter:esse aus NRW, den Internationalen Platz Vogelsang IP in der Eifel, um das dort laufende Projekt mehrerer Orchestergruppen und einer Theatergruppe anzusehen. Mitwirkende waren das Phantabio-Orchester, das Eurode Jugendorchester aus Herzogenrath, das Gozo Youth & Wind Band Orchestra aus Malta, Musica Mina aus Belgien, ein Theaterensemble und ein Projektchor. Schnell merkten wir, dass Vogelsang mehr ist als ein Ort der NS-Geschichte – neben Museum, Führungen und Bildungsangeboten ist es heute ein Ort internationalen Zusammenkommens.
Auf unserer ersten Erkundungstour über das Gelände der Ordensburg Vogelsang kamen wir an einer Hochzeitsgesellschaft vorbei: Braut und Bräutigam mit breitem Lächeln auf den Lippen, schnatternde Hochzeitsgäste in bunten Kleidern oder schicken Anzügen vor den leuchtenden Farben der Eifel. Eine Idylle, die trügerisch ist: Denn früher diente die Ordensburg, die nicht etwa einer mittelalterlichen Burg gleicht, sondern ein großes Neubaugelände der 1930er Jahre darstellt, der Ausbildung des zukünftigen Führungspersonals der NSDAP, dem sogenannten Kader.
Die meist jungen Männer, bereits bewährte Parteimitglieder, wurden auf Führungspositionen vorbereitet und später vielfach in Kriegsverbrechen verwickelt. Mit Kriegsbeginn wurde das Gelände militärisch genutzt, nach 1945 von Briten und Belgiern besetzt. Heute gilt Vogelsang als größtes erhaltenes Beispiel der NS-Architektur – ein Ort des Friedens und der Erinnerung. Im Mauergewölbe steht „I LOVE YOU“ im Staub einer Fensterscheibe, an den Wänden hängen Fotos aus der NS-Zeit und Kunstwerke mit Botschaften wie „Migration is not a crime“. Während unseres Besuchs erklang Filmmusik aus Schindlers Liste – Teil des Projekts „Kompass Musik – Resonanzen – Eine musikalische Reise zu Musik und Zivilcourage“ von der LAG Musik NRW e.V., Mitglied der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit NRW e.V.
Alle LKJ-Projekte orientieren sich an den Kinderrechten. Heute in unseren Interviews liegt der Fokus auf Artikel 28 („Recht auf Bildung“) und Artikel 31 („Recht auf Freizeit, kulturelles und künstlerisches Leben“) der UN-Kinderrechtskonvention. In Workshops zur Geschichte Vogelsangs und zu gesellschaftlichen Fragen konnten sich die Teilnehmenden weiterbilden.
Das Orchester spielte historisch aufgeladene Stücke, mit denen sich die Jugendlichen monatelang intensiv auseinandergesetzt hatten. Wir hatten durchaus den Eindruck, dass auf diese Rechte besonders geachtet wird und sie bei der Umsetzung berücksichtigt wurden. Denn Bildung bedeutet auch, sich mit anderen Kulturen und Menschen auseinanderzusetzen. Sowohl für die Jugendlichen aus Deutschland als auch für jene aus Malta ist die gemeinsame Zeit sehr lehrreich.
Gerade für die deutschsprachigen Orchesterteilnehmenden ist es eine neue Erfahrung, auf Englisch dirigiert zu werden. Sie lernen durch den Kontakt zu den Malteser*innen deren Kultur kennen und vertiefen nebenbei ihre englischen Sprachkenntnisse.
Gleichzeitig haben die Malteser*innen die Möglichkeit in Deutschland etwas über deutsche Geschichte, über Weltgeschichte zu lernen und auch die deutschen Jugendlichen können ihr Wissen vertiefen. Im Besonderen sticht aber selbstverständlich die musikalische und schauspielerische Bildung hervor.
Für viele der Kinder und Jugendliche war es ein erstes Mal – ein erstes Mal Schauspielern, ein erstes Mal Szenen schreiben oder überarbeiten und so Fähigkeiten des kritischen Denkens schulen, oder auch ein erstes Mal in einem Orchester. All das ist auch eine Form der Bildung und treibt die durch Bildung beabsichtigte Persönlichkeitsentwicklung voran. Jugendliche, die vor der Arbeitsphase noch mit hochgezogenen Schultern auf der Bühne standen und so wenig Sätze wie möglich sagen wollten, stehen jetzt stolz vorne, mit Vorfreude auf und nicht Grauen vor der großen Aufführung. Doch die Bildung macht keinen Halt in dem begrenzten Kreis der Teilnehmenden: eine Jugendliche erzählte uns zum Beispiel, dass sie ihren Freund*innen von dem Projekt erzählt habe und sie so ihr Wissen, ihre Haltung teilen und verbreiten konnte, dass sie mit anderen Jugendlichen ins Gespräch über diese unfassbar wichtigen Themen gekommen sei.
Und doch, und das scheint auch gerade Sinn und Zweck des Projekts zu sein, bleiben große Teile der Bildung von den Jugendlichen unbemerkt. Für sie stehen Spiel und Spaß an erster Stelle- so, wie in Artikel 31 der Kinderrechte vorgesehen. Das Echo von unbeschwertem Lachen und rennenden Kindern hängt noch im Mauergewölbe. Und auch die Kunst der Jugendlichen ist Bildung, aber vor allem geht es Spaß, um Gemeinsamkeit und eine Art Auszeit vom Leben. Uns hat das Projekt gezeigt, wie gut Spaß, Spiel und Bildung koexistieren können.
Man hat die Freude den Menschen im Gesicht ansehen können, Gespräche über ihre Lehrerfahrungen wurden unterbrochen von Lachern. Sowohl das Projekt, als auch die Aufführung waren ein voller Erfolg und haben jede einzelne mitwirkende Person nachhaltig beeinflusst. Nicht nur die Jugendlichen oder die Projektleitung, auch wir konnten von diesem Projekt etwas mit nach Hause nehmen, einen Eindruck erhalten, der bleibt. Eine Kolumne von
Eine Kolumne von Viola Ikemann und Marie Alexandra Heinz
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Kinderschutz & Prävention
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