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Kolumne – LAG Kunst und Medien

Es ist ein Mittwochnachmittag Anfang November. Die Herbstsonne steht schon tief. Schläfrig linst sie von draußen durchs Fenster. Die Menschen drinnen sind dagegen hellwach. Denn sie sind heute wieder hier, um Filme zu drehen – um selbst vor und hinter der Kamera zu stehen, um einander und ihren zukünftigen Zuschauer*innen ihre ganz persönlichen Geschichten zu erzählen.

Es sind vier junge Menschen – Sofia Iduhon, Oleksii Korobov, Muhammad Shekhov und Pinitha Nujan Gunasinha De Silva (denen sich an anderen Tagen außerdem noch Fadwa El Hessaini als fünfte Person anschließt) – und der leitenden Medienpädagoge Sebastian Salanta. Sie sind ein eingespieltes Team. Sie sind das Projekt „What we stand for 2“. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, ist es bereits der zweite Durchgang des Filmprojekts, das auch dieses Mal im Adam’s Corner stattfindet. Das Adam’s Corner ist eine Initiative, die zugreiste Jugendliche der Dortmunder Berufskollegs im Übergang zwischen Schule und Beruf fördert, und hat ihren Sitz direkt am Westpark. Dort wird heute später auch noch gedreht.

Aber erstmal wird inter:esse von der Filmcrew in einem ehemaligen Klassenzimmer warm willkommen geheißen. Und noch bevor wir uns alle einander vorgestellt haben, präsentiert uns Nujan schon, und zwar „stolz wie Bolle“, den Film „Der Cage“, der im Vorjahr bei „What we stand for“ entstanden ist. Sebastian verrät uns, dass „Der Cage“ nicht nur uns, sondern allen Interessierten, immer wieder gerne vorgeführt wird. Womöglich gäbe es sogar schon Hoffnungen und Pläne, mit dem Film bei Netflix durchzustarten… So will auch Muhammad, der im Cage den Protagonisten spielt, eine Schauspielkarriere nach seinem Schulabschluss für sich nicht ausschließen. „Wenn sich die Möglichkeit ergibt“, sagt er lächelnd.

Jetzt gerade freut Muhammad sich aber vor allem, bei „What we stand for 2“ dabei zu sein. Es gefällt ihm sehr, hier vor der Kamera zu stehen; Szenen, in denen sie eine Show inszenieren, sind ihm dabei am liebsten. Und er findet es gut, dass sie hier aktiv und selbstständig so professionelle Filme produzieren. Entsprechend routiniert und gekonnt führt Oleksii die Kamera, als im Laufe des Nachmittags auf laubbestreutem Asphalt wieder gedreht wird. Sofia und Muhammad spielen die Szene, während Sebastian Regieanweisungen einwirft und Ratschläge gibt.

Alle sind motiviert und konzentriert bei der Sache, unterstützen sich und diskutieren zugleich lebhaft, was die Kamera einfangen und was wie gespielt werden soll. Zwischendurch ist aber auch immer wieder Zeit zum „Rumalbern“. Heute bringt ein goldenes Mikro, das Nujans Stimme beim Hineinsprechen verzerrt, alle zum Lachen. Der Gruppe ist schnell anzumerken, was Oleksii im Interview selbst sagt: Hier hat er Freunde gefunden. „Und obwohl er ansonsten lieber allein arbeitet, bereitet ihm das Teamwork bei „What we stand for 2“ die meiste Freude.“

Zurecht sind Oleksii und die anderen stolz auf ihre Zusammenarbeit. Durch ihren freundschaftlich-freundlichen Umgang miteinander, lassen sie gemeinsam Wunderbares entstehen: Die Ausschnitte und Bilder, die wir aus ihren Filmen zu sehen bekommen, machen neugierig und amüsieren, berühren und beeindrucken.

Für Sebastian ist ein großer Vorteil am Medium Film, dass mensch so schnell ein sichtbares Erfolgsergebnis vor Augen hat, das zum Weitermachen animiert. Doch Film vermag noch mehr. In diesem Projekt ist er vor allem ein Medium, das den jungen Menschen einen besonderen Zugang zu ihren Geschichten eröffnet. Der Film macht es ihnen möglich, Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse „so zu erzählen, wie sie es wollen“, so Sebastian. Er bringt den Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei „What we stand for 2“ nahe, den Film für sich als ein Werkzeug zu begreifen. Sie können das Medium nutzen, um die Welt und sich selbst besser kennenzulernen, anstatt bloß dessen Konsument*innen zu sein.

Ins Tun und in die Gestaltung zu kommen, bedeutet hier, selbst zu entscheiden, wie mensch definiert wird, bedeutet: Selbstermächtigung, Selbstreflexion und Selbstausdruck. Die eigene Vergangenheit, persönliche Werte und Erkenntnisse bekommen in den Filmen von „What we stand for 2“ Aufmerksamkeit und Raum: Sofia erzählt von dem Mobbing, das ihr früher widerfahren ist, was sie verletzt und was sie gestärkt hat. Muhammad berichtet von der Disziplin, die er sich durch seine Leidenschaft MMA angeeignet hat und die sein ganzes Leben prägt. Und Oleksii hat für sich entdeckt, wie heilsam es für ihn ist, seine Gefühle, „selbst wenn sie schlecht sind“ und „selbst wenn keiner zuhört“ durch den Film „in die Welt zu geben.“ Durch die kreative Arbeit mit dem Medium Film haben sie alle Neues über sich selbst erfahren dürfen: Welche Interessen, Fähigkeiten und Stärken sie haben, von denen sie vorher nicht wussten. Dass das Schauspielern ihnen – teils auch entgegen ihren Erwartungen – Spaß macht. Und dass sie nicht so ängstlich sind, wie sie dachten, sondern selbstbewusst, „confident“, sagt Sofia. Beispielhaft zeigt „What we stand for 2“, wie bereichernd und bedeutsam ein selbstbestimmter und künstlerischer Umgang mit Medien für junge Menschen sein kann. Bei Drehschluss ist es draußen dunkel. Die Gruppe verabschiedet und zerstreut sich, doch eins ist klar: Nächste Woche sind sie alle wieder zusammen am Start.

Eine Kolumne von Bernadette Hagen

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